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Die Westküste: Warme Quellen und Pfannkuchen-Felsen

Die Westküste: Warme Quellen und Pfannkuchen-Felsen

Wie geht es weiter?

( Während ich den Artikel schreibe sitze ich im gefühlt verschlafensten Nest von Neuseeland, in Okarito auf dem Campingplatz. Draußen regnet es in Strömen. Zum Glück gibt es Wlan. Wir hören die Ärzte im Wohnmobil, der Krümel malt in seinem neuen Paddington- Malbuch, das er für 30 Cent im Second-Hand-Laden erworben hat, ich blogge und der Krümel- Papa kuckt "Die Anstalt".)

 

Wir haben eine Nacht in Nelson gestanden. Auf einem Parkplatz zentral in der Stadt. Wahrhaftig keine Schönheit, aber mit Unterhaltungswert, gerade für den Krümel. Es grenzt direkt der Busbahnhof an und so kann er beobachten, wie nach und nach alle Busse "nach Hause" kommen und abgespritzt werden.
Wir sind gerade sehr unentschlossen wie es weitergehen soll. Wir haben die Freiheit insgesamt acht Wochen für Neuseeland und keine Route im Vorhinein festgelegt zu haben. Vier Wochen Süd und vier Wochen Nord oder doch lieber länger hier in Southland bleiben? Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wir entscheiden uns nach einem Besuch in der i-site (Touristinformation) den Abel Tasman Nationalpark auszulassen und direkt zur Westküste zu fahren. Keine Frage,  Abel Tasman ist gerade für seine wunderschönen, langen Sandstrände und vielen Buchten, die mit Taxibooten angefahren oder in grandiosen Mehrtages-Wanderungen erlaufen werden können, bekannt. Den Greatwalk können wir mit Kind nicht machen und Strände haben wir in den Wochen in Asien ausreichend gesehen. Wir wollen lieber mehr Zeit in Milford Sounds bzw. den Fjorden verbringen. Also lassen wir den Nationalpark links liegen und fahren direkt zur Westküste.

Von Murchison nach Westport mit Hitchhiker on board

In Murchison sammeln wir einen an der Straße stehenden Backpacker ein und nehmen ihn bis kurz vor Westport mit. Hitchhiker Pawel aus Polen, hat Geografie studiert und beschlossen alles mal sehen zu wollen, die ganze Welt. Grandiose Idee, so ist auch mein Plan. Er scheint mir bloß etwas voraus zu sein: er reist seit sieben Jahren durch die Welt,  ausschließlich als Tramper. Fünf Jahre davon war er  in ganz Amerika unterwegs.  Nach Neuseeland möchte er Asien kennenlernen. Nach Europa möchte er nicht zurück. Sein Traum ist es sich in Amerika einen Van im Ice-Wagen- Style zu kaufen, ihn umzubauen, damit durchs Land zu reisen und andere Tramper mitzunehmen. Das zurückgeben, wovon er selber jahrelang profitiert hat. Er nimmt hier Gelegenheitsjobs an und schläft meistens freedom im Zelt. Er sei sogar schon trampenderweise gesegelt.

Drachensteigen und warme Quellen in Westport Beach

In Westport stehen wir auf einem kostenlosen Campingplatz direkt am Meer.  Als wir darauf zu fahren, glauben wir in Zeeland in den Niederlanden zu sein. Genauso sieht es hier aus. Kaum stehen wir, müssen wir erst einmal den Strand erkunden. Und es ist, wie so oft in Neuseeland und das ist das Tolle: ein riesiger , unbewirtschafteter Strand, wilde Natur und nur ganz wenige Menschen. Wie schön! Hier pustet uns der Wind ganz schön durch. Im Meer wird es wohl zu kalt sein. Doch da entdecken wir große Pfützen vor dem Meer. Ob die wohl warm sind? Zeh reinhalten... und ja, tatsächlich, auf jeden Fall wärmer als das Meer. Wie cool, wir haben unsere eigenen Warm-Springs gefunden. Wir planschen eine ganze Weile in den großen Badewannen vor uns hin. Und dann zeigen wir dem Krümel, dass auch Erwachsene rennen können. Das hatte er gestern nämlich in Frage gestellt. Wir rennen alle drei ausgelassen durch die flacheren Pfützen bis ins Meer, hin und zurück und haben dabei wahnsinnigen Spaß.

Sptäer erinnern wir uns an den eigens für Neuseeland angeschafften kleinen Taschendrachen  *vom Krümel. Der Drache wird aus seiner Höhle geholt und steigen gelassen.

Seelöwen in der Touranga Bay

Es regnet Bindfäden. Wir fahren aber trotzdem los Richtung Touranga Bay zur Seal colony. Der Wettergott meint es gut mit uns. Als wir ankommen, hört es auf. So können wir trockenen Fußes vom Parkplatz aus die 500 Meter zum Viewpoint gehen. Von hieraus hat man eine hervorragende Sicht auf einen Haufen australische Seelöwen. Sie tummeln sich unten am Wasser um bzw. auf den Felsen herum. Die schaumgekrönten  Wellen sind ordentlich, sie klatschen feste an den Stein, trotzdem sind ein paar ganz Mutige im Wasser. Andere räkeln sich lieber auf den Felsen oder robben auf denselbigen herum. Ganz viele Junge sind dabei, zufällig ist bei ihnen gerade Wurfzeit. Und die Kleinen sind so süß anzuschauen.
Der Krümel holt sie sich mit seinem Fernglas (Bresser Kinderfernglas *)  noch näher ran. Hier könnten wir ewig verweilen und seal watching betreiben. Der angelegte Weg und die Pflanzen drum herum waren vor 15 Jahren noch nicht da. Das alles wurde im Rahmen der Aufforstung von Schülern angelegt.

Pfannkuchen- Felsen im Paparoa Nationalpark

Wir nehmen Kurs auf den Paparoa National Park - der jüngste National Park Neuseelands Unser Ziel sind die Blowholes und Pancake Rocks, ebenfalls nahe an der Straße gelegen. Bei unserer Ankunft regnet es wieder. Wir machen zunächst Lunch im Wohnmobil und besuchen das Visitor Center - leider gibt es keine Kinder-Rancher- Hefte mehr, alle vergriffen. Und dann scheint auch schon wieder die Sonne. Das hier ist eine typische Touristenattraktion.  Es werden ganze Reisebusse voller Touristen ausgeladen, aber das, was wir hier zu sehen bekommen ist wirklich gigantisch, das muss man sich anschauen. Wie genau die Felsen entstanden sind, weiß keiner so genau. Auf jeden Fall hat aber das raue Meer seinen Teil dazu beigetragen und an ihnen herumgeschliffen, sodass sie jetzt aussehen, wie aufeinander geschichtete Pfannkuchen. Und dieses Farbzusammenspiel: erdbraun und grau der Felsen, saftiges Grün und blaues Meer. Das Meer hier an der Westküste hat es mir sowieso angetan: es ist so wunderbar wild! Und dann gibt es hier noch die Blow holes. Im Grunde sind es kleine von Felsen umgebene Meerwasserbecken mit einem Zugang zum Meer. Hier tobt und tost das Meer.  An manchen Tagen ist die Meeresgewalt wohl so stark, dass das Wasser einige Meter nach oben gespritzt wird. Heute leider nicht.  Ein schöner Tag, was wir gesehen haben, hat ums wirklich beeindruckt.

Der Krümel hat Heimweh

Ich hatte ja schon erwähnt, dass der Krümel mittlerweile desöfteren sagt, dass es zuhause viel schöner ist. Wir hatten dem zunächst nicht soviel Bedeutung zugemessen. Heimweh ohne Tränen und mit soviel Freude an allen Sachen??? Nun ist uns aber zusätzlich aufgefallen, dass Lügengeschichten, mangelndes Durchhaltevermögen, "Blödanstellerei" und Verhaltensweisen hinzukommen, die uns auf der einen Seite nerven, auf der anderen Seite ernshaft Sorgen machen. Wir setzen uns mit ihm zusammen und reden darüber oder besser gesagt: wir versuchen es. Der Krümel war noch nie ein Kind der vielen Worte.... Aber es wird deutlich: er möchte tatsächlich am liebsten sofort nach Hause, zu seinen Freunden und seinem Spielzeug. Wir bringen ihm Verständnis entgegen, versuchen aber gleichzeitig seine Aufmerksamkeit auf Dinge zu lenken, die er nur hier erleben kann, zuhause nicht. Aus meiner Perspektive heraus ist das alles hier ein riesiges Abenteuer und das sollte doch auch für Kinder eins sein! Wenn ich das alles als Kind hätte erleben können...aber der Krümel hat andere Prioritäten, die es zu akzeptieren gilt. Allerdings ist es keine Option für uns die Reise frühzeitig abzubrechen, also denken wir darüber nach, wie wir es noch kinderfreundlicher gestalten können. Mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein, liebt er sowieso. Zu seinen Freunden halten wir, so gut es geht, sowieso schon Kontakt. Spielzeugautos hat er sich auch schon eine ganze Batterie ausgesucht und anderes Spielzeug möchte er nicht. Spielplätze steuern wir immer an, wenn es welche gibt. Kontakt zu anderen  Kindern ermöglichen wir, so oft es geht. Wir halten die Fahrstrecken kurz, sind bisher auch auf seine Wünsche eingegangen.... Und jetzt erstellen wir noch einmal explizit eine Liste mit Sachen, die er hier unbedingt noch (einmal) machen oder essen möchte. Was glaubt ihr, könnte darauf stehen?

 

 

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